1.6. Kosten

Auf dem Weg von Ost nach West waren die Ochsenhändler oder Einkäufer verpflichtet, verschiedene Transitabgaben zu entrichten. Diese zusätzlichen Kosten führten auch zu höheren Ochsenpreisen bei den Endverbrauchern. Die Herden mussten in der Regel bei den Zoll- und Mautstellen angemeldet und Zollbriefe sollten vorgelegt werden. Zollerhöhungen wurden meist nun dann ohne Zögern akzeptiert, wenn diese zur Sicherstellung von passierbaren Wegen dienten. Die vorhandenen Zollbücher bezeugen jedoch, dass das ordnungsgemäß verzollte Vieh die Regel war, Schmuggel und Ähnliches dagegen eher die Ausnahme. Wenn jemand mit nicht verzollten Tieren erwischt wurde, drohte ihm nämlich eine Pfändung der gesamten Herde, was viele Händler, Metzger und Einkaufsbeauftragte nicht gerne riskieren wollten.

Eine schwere Belastung war die Entrichtung des sog. Dreißigstszolls. Der Dreißigstzoll war ein von den ungarischen Königen bereits im 14. Jahrhundert eingeführter Ausfuhrzoll, der sich im Wesentlichen nach dem Wert der ausgeführten Ware richtete. Die Zolltaxe betrug im Allgemeinen nicht ein Dreißigstel sondern ein Zwanzigstel der Ware.
Hinzu kamen die Mautgebühren auf dem Weg, einschlägige Mautstellen waren: Enns, Ebelsberg, Pregarten, Linz, Klafferwald und Mautstellen in Bayern.Mautsätze sind zum Beispiel aus Pregarten bekannt, hier zahlte man 1592 einen Pfennig pro Ochsen, 1628 dann einen Kreutzer (zu 4 Pfennig). Bei der Linzer Mautstelle geben uns Zahlen aus dem Jahre 1627 Auskunft. Hier musste man 9 Pfennig „Geleitgeld“ pro Ochse entrichten, ab 100 Tieren gab es jedoch Nachlässe. Zuzüglich verlangte man ein Zettelgeld, abhängig von der Herdenstärke. Diese Zettel, die die Anzahl der Tiere und die Namen ihrer Besitzer dokumentierten, dienten auch als Quittung oder Mautbeleg. Laut Schätzungen konnten die Zoll- und Mautabgaben im 16. Jahrhundert bis zu 4 Gulden pro Ochse ausmachen.

Weitere Abgaben

Auf dem Wiener Ochsengries, aber auch auf anderen Märkten wurden den Verkäufern noch weitere Abgaben abverlangt wie Stand- und Schreibgeld sowie Pflasterzoll. Die Standgebühren vermehrten zum Beispiel aufgrund eines alten Privilegs die Einnahmen der Herrschaft Scharfeneck. Auch dasHansgrafenamt in Wien forderte Gebühren von den Händlern ein.
Weidegeld
Weidegeld zahlten die Ochsenhändler und Metzger für die Benutzung von Weideflächen, die in der Nähe der Viehmärkte oder der Endstationen lagen, wie die Mastzonen im Seewinkel oder die Meringer Au. Nutznießer waren hier die bayerischen Herzöge, weltliche oder kirchliche Herrschaften, denen die Nutzflächen gehörten.

Triebgeld

Unter dem Begriff Triebgeld werden die Hauptkosten des Triebes gerechnet, vor allem die Arbeitslöhne für die Ochsentreiber, Wegzehrung eventuell auch die Fütterungskosten. Die Treiber erhielten oft Salz für die Rinder, Nahrung und auch Kleidung für den Trieb. Das Triebgeld – sofern  diese Kosten überhaupt erfasst und festgehalten worden sind – war ebenfalls größeren Schwankungen ausgesetzt und machte mal 5 - 8 Prozent, mal sogar fast 15 Prozent des Einkaufspreises aus.  Es enthielt die Arbeitslöhne und oft auch die „Tischzehrung“ für die Ochsenbegleiter. Die Historikerin Christina Dalhede rechnet hier mit einem halben bis einen ganzen Gulden (1560) bzw. mit zwei Gulden (1578) Triebgeld pro Ochse. Das war also eine Art „Triebgeldpauschale“. Je größer die Herde, desto mehr musste natürlich auch für die Begleiter bezahlt werden.

Pfändungen oder Schadenersatzzahlungen

Falls das getriebene Vieh auf die Ackerflächen auswich, die Ernte zertrampelte oder größere Flurschäden verursachte, kam es auch zu Pfändungen oder Schadenersatzforderungen. In Schwechat wurden 1563 zwei Ochsenhändler angehalten, denen der wutentbrannte Grundbesitzer wegen Flurbeschädigung gleich 16 Ochsen und etliche Schafe abnahm. Da die Einigung nicht schnell genug erzielt werden konnte, verpassten die Viehhändler den Termin beim Wiener Ochsengries, so dass ihnen dadurch noch höhere Schäden entstanden.  Auch daran sieht man, das Geschäft war nicht immer nur lukrativ, sondern in vielen Fällen auch mit Risiken behaftet.
Viehschmuggel

Da die Zölle, Mautgebühren und andere Abgaben eine hohe finanzielle Hürde darstellten, gab es natürlich auch „schwarze Schafe“, die versuchten, diese Hürden zu umgehen und „unnötige“ Ausgaben einzusparen. Einige Fälle aus dem 16. Jahrhundert sind durch Aufzeichnungen bekannt:

Von ungarischen Viehhändlern und Magnaten, aber auch von Kroaten ist hier die Rede, diesich intensiv am Ochsenschmuggel beteiligten. Einige von diesen Kleinadligen wohnten in Ober-, Mittel- und Unterpullendorf und wurden deshalb als „die Pullendorfer“ genannt.  Manche Händler hatten die jeweiligen Zollbeamten bestochen und betrieben so unbehelligt einen regelmäßigen Schmuggel im Grenzgebiet zwischen Ungarn und Österreich. Andere wiederum handelten im Auftrag von Brucker Fleischhauer. Laut Aufzeichnungen hatte das Dreißigstzollamtallein durch den illegalen Viehtriebeinen Einnahmeausfall von über 20.000 fl( Gulden) in rund 27 Jahren. In den 1570er Jahren gelangen über 6.000 unverzollte Ochsen von Ungarn nach Niederösterreich. Das geschmuggelte Vieh war selbstverständlich günstiger zu haben, als legal eingeführte Tiere auf dem Wiener Ochsengries. So entstand eine Art Schwarzmarkt, den die Metzger auch von Zeit zu Zeit gerne in Anspruch nahmen.

Die Schmugglergruppen wie die „Pullendorfer“ waren in der Regel bewaffnete, harte Burschen, so dass die Dreißigstbeamten gegen sie keine Chancen hatten. Sie vermieden daher lieber die offene Konfrontation und ließen die Schmuggler vorbeiziehen. Als dann Ende des 16. Jahrhunderts die Aktivitäten der „Pullendorfer“ immer weiter stiegen und teilweise über 300 Ochsen pro Woche unverzollt nach Österreich wanderten, ergriff die Niederösterreichische Kammer Gegenmaßnahmen. Eine berittene Mannschaft, eine eigene „Guardia“ mit einem Leutnant und acht weiteren Männern wurde gegründet, eine „Spezialeinheit“ zur Bekämpfung und Zerschlagung der Schmugglerbanden. „Das Sonderkommando“ hatte anfangs einige Erfolge und konnte zwei seit langem gesuchte Pullendorfer auf frischer Tat ertappen und festnehmen. Insgesamt war die Aktion jedoch nicht so erfolgreich wie erwartet.